Häusliche Gewalt: Ausstellung “Rosenstraße 76″ in Karlsruhe

ANA & ANDAEndlich - dank dem Projekt “Häusliche Gewalt Stadt Karlsruhe” und dem Städtischen Klinikum - ist sie auch in Karlsruhe zu sehen: Die Ausstellung “Rosenstraße 76″.

Im Rahmen unserer künstlerischen Arbeit “Kultur gegen Gewalt” hatten wir schon viel von der Ausstellung des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschland und Brot für die Welt gehört und die Erwartungen waren dementsprechend groß.

Sie wurden voll und ganz erfüllt. Die Grundidee, die Besucher/innen durch eine ganz normale Wohnung zu führen, in der doch eigentlich fast nichts auf Gewalttätigkeit hindeutet, ist so verblüffend wie überzeugend. Auf äußerst bedrückende Weise wird so deutlich, wie “normal” das Umfeld ist, in dem häusliche Gewalt stattfindet.

Obwohl alles so sauber und adrett aussieht, nimmt die Beklemmung mit jedem Zimmer, das durchschritten wird, zu. Angst macht sich breit - Angst, den CD-Player zu starten, Angst, den Schrank zu öffnen, Angst, diesen Brief auf dem Tisch zu lesen…  Denn zu all dem sind die Gäste eingeladen: Öffnen, hinschauen, hinhören…

Es ist die gleiche Angst, die gewalttätige Partnerschaften überschatten, die plötzlich auf einen selber übergreift. Das Gefühl der Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Denn schließlich ist das doch eine schöne Wohnung - und was wartet schon draußen?

Das haben auch die Referent/innen - Prof. Dr. Martin Hansis (Geschäftsführer Städt. Klinikum), Hildegard Gerecke (Polizeipräsidentin Karlsruhe), Wolfram Jäger (Bürgermeister Karlsruhe) und Eva Colbus (Projektgruppe Häusliche Gewalt) - klar gemacht: Wenn außen keine Hilfe angeboten wird, gibt es für Opfer häuslicher Gewalt kein Entkommen.

Diese Hilfe aber kann nicht nur von Institutionen geleistet werden: Wir sind ALLE aufgefordert, hinzuschauen, zu handeln, zu helfen. Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Wenn unsere Ohren fein genug sind, das tägliche Tratschen über Lappalien mitzukriegen, dann sind sie auch fähig zu hören, wenn hinter den Türen der benachbarten Wohnung etwas nicht stimmt.

Und: Zahlreiche Vorurteile, Klischees und Rollenbilder müssen sich ändern. Genau dazu ruft Vision 9 unserer “Zwölf musikalischen Visionen” auf: In der Vision einer gewaltfreien Gesellschaft kommt Pandora zu Wort - jene Frau, die in der griechischen Mythologie Schuld am Unglück der Menschen sein soll…

Ein herzliches Dankeschön an alle, die es möglich gemacht haben, die “Rosenstraße 76″ nach Karlsruhe zu holen!

Und eine heiße Empfehlung, unbedingt hinzugehen! Der Kauf des Katalogs ist ebenfalls sehr lohnend.

22. Oktober bis 4. November, Städt. Klinikum Karlsruhe, Veranstaltungszentrum Haus R, täglich 8 bis 20 Uhr, Eintritt frei

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