Lesben und Schwule kein Maßstab?
Homosexuelle und ihr Beitrag zur Gesellschaft
20 Prozent der Menschen in Deutschland leben alleine, in 29 Prozent der Familien gibt es keine verheirateten Eltern. Gehen wir jetzt noch von einer eher niedrig angesetzten Zahl von einem Prozent Schwulen und Lesben in der Gesellschaft aus, haben wir mindestens 50 Prozent Menschen in Deutschland, die kein "konventionelles Familienleben" aufweisen.CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe aber lehnt die Gleichstellung von lesbischen und schwulen Paaren ab, weil der Maßstab "das Privatleben der meisten Menschen in Deutschland" sein sollte.
Aha. Welche "meisten Menschen" er damit wohl meint?
Und von welchem "Zusammenhalt der Gesellschaft" die CDU-Staatssekretärin Katherina Reiche wohl spricht, wenn sie meint, dieser würde nur von "verheirateten Heterosexuellen" gebildet? (Alles nachzulesen auf queer.de)
Gut zu wissen, dass wir nie einen Beitrag zum Zusammenhalt dieser Gesellschaft leisten können - ganz egal, was wir tun. Denn wir sind ja lesbisch, unverheiratet und haben keine Kinder. Was könnten ein paar Kulturprojekte an Brennpunktschulen schon bedeuten, wo der Maßstab für die Gesellschaft offensichtlich von jener Hälfte (?) der Menschen gebildet wird, die "glückliche Familien" bilden, deren Kinder wahrscheinlich im Turbotempo zu funktionierenden Bürger/innen heranwachsen? Was wollen wir schon ausrichten mit ein paar Konzerten gegen häusliche Gewalt, wo die Zukunft doch von "verheirateten Heterosexuellen" gestaltet wird? Und was könnte schon hilfreich sein an der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Menschenrechten, wo wir mit unserer lesbischen Lebensweise gleichzeitig eine Bedrohung für diese Gesellschaft darstellen?
Manche Aussagen sind wirklich nur schwer verdaubar und gerne würden wir Frau Reiche, Herrn Gröhe, Frau Hasselfeldt und so manch Andere einfach mal zu einer "Woche mit ANA & ANDA" einladen. Wir könnten ihnen dann ein paar Berührungspunkte mit jener Gesellschaft bieten, für deren Zusammenhalt wir uns tagtäglich einsetzen - zusammen mit vielen verheirateten, unverheirateten, lesbischen, schwulen, alleinstehenden, großen und kleinen Menschen. Aber wahrscheinlich ist das ja eine ganz andere Gesellschaft als jene, von der die oben Genannten träumen...


