Archive for the ‘Menschenrechte’ Category

Häusliche Gewalt: Ausstellung “Rosenstraße 76″ in Karlsruhe

Donnerstag, Oktober 22nd, 2009

ANA & ANDAEndlich - dank dem Projekt “Häusliche Gewalt Stadt Karlsruhe” und dem Städtischen Klinikum - ist sie auch in Karlsruhe zu sehen: Die Ausstellung “Rosenstraße 76″.

Im Rahmen unserer künstlerischen Arbeit “Kultur gegen Gewalt” hatten wir schon viel von der Ausstellung des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschland und Brot für die Welt gehört und die Erwartungen waren dementsprechend groß.

Sie wurden voll und ganz erfüllt. Die Grundidee, die Besucher/innen durch eine ganz normale Wohnung zu führen, in der doch eigentlich fast nichts auf Gewalttätigkeit hindeutet, ist so verblüffend wie überzeugend. Auf äußerst bedrückende Weise wird so deutlich, wie “normal” das Umfeld ist, in dem häusliche Gewalt stattfindet.

Obwohl alles so sauber und adrett aussieht, nimmt die Beklemmung mit jedem Zimmer, das durchschritten wird, zu. Angst macht sich breit - Angst, den CD-Player zu starten, Angst, den Schrank zu öffnen, Angst, diesen Brief auf dem Tisch zu lesen…  Denn zu all dem sind die Gäste eingeladen: Öffnen, hinschauen, hinhören…

Es ist die gleiche Angst, die gewalttätige Partnerschaften überschatten, die plötzlich auf einen selber übergreift. Das Gefühl der Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Denn schließlich ist das doch eine schöne Wohnung - und was wartet schon draußen?

Das haben auch die Referent/innen - Prof. Dr. Martin Hansis (Geschäftsführer Städt. Klinikum), Hildegard Gerecke (Polizeipräsidentin Karlsruhe), Wolfram Jäger (Bürgermeister Karlsruhe) und Eva Colbus (Projektgruppe Häusliche Gewalt) - klar gemacht: Wenn außen keine Hilfe angeboten wird, gibt es für Opfer häuslicher Gewalt kein Entkommen.

Diese Hilfe aber kann nicht nur von Institutionen geleistet werden: Wir sind ALLE aufgefordert, hinzuschauen, zu handeln, zu helfen. Häusliche Gewalt ist keine Privatsache. Wenn unsere Ohren fein genug sind, das tägliche Tratschen über Lappalien mitzukriegen, dann sind sie auch fähig zu hören, wenn hinter den Türen der benachbarten Wohnung etwas nicht stimmt.

Und: Zahlreiche Vorurteile, Klischees und Rollenbilder müssen sich ändern. Genau dazu ruft Vision 9 unserer “Zwölf musikalischen Visionen” auf: In der Vision einer gewaltfreien Gesellschaft kommt Pandora zu Wort - jene Frau, die in der griechischen Mythologie Schuld am Unglück der Menschen sein soll…

Ein herzliches Dankeschön an alle, die es möglich gemacht haben, die “Rosenstraße 76″ nach Karlsruhe zu holen!

Und eine heiße Empfehlung, unbedingt hinzugehen! Der Kauf des Katalogs ist ebenfalls sehr lohnend.

22. Oktober bis 4. November, Städt. Klinikum Karlsruhe, Veranstaltungszentrum Haus R, täglich 8 bis 20 Uhr, Eintritt frei

Demokratie lebt von unserem Engagement

Freitag, Juli 10th, 2009

ANA & ANDA, Musik und BühnenkunstDiesen Titel trug ein Vortrag, den Prof. Dr. Siegfried Schiele, ehemaliger Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, am gestrigen 9. Juli im Stadtmedienzentrum Karlsruhe hielt.

Es war ein unglaublich engagierter, lebendiger und überzeugender Vortrag, ein feuriges Plädoyer für Demokratie, gegen Politikschelte und für mehr bürgerschaftliches Engagement. Auch die anschließende Diskussionsrunde war anregend und inspirierend.

Schnell wurde deutlich, dass gerade in einer Demokratie Politik nicht besser sein kann als die Gesellschaft, aus der sie entsteht. Politikschelte trifft uns also genau genommen letztlich selbst. Und: Politik kann Werte nur schützen, sie aber niemals selber schaffen. Dafür sind wir alle selber verantwortlich.

Damit wird die Verbindung von Politik, Kultur, Wirtschaft und Bildung sichtbar: Wenn einer dieser Bereiche krankt, kommen auch die anderen ins Wanken. Eine Gesellschaft, die nicht weiß, welche Werte sie leben will, kann von der Politik auch keinen Schutz der Werte erwarten. Wenn wir selber nach dem Prinzip leben, dass nur der erfolgreich ist, der die größten Autos, die luxuriösesten Schlösser und die meisten Millionen hat, können wir von der Politik auch keine Heilung der gierkranken Wirtschaft erwarten.

Die Demokratie lässt keinen anderen Weg offen, als den des persönlichen Engagements. Wenn wir den nicht zu gehen bereit sind, ist die demokratische Ordnung in Gefahr. Wenn wir die Zeit, die wir fürs Jammern brauchen, in Aktivität umsetzen würden, könnten wir schon unglaublich viel bewegen.

Es ist nie alles gut - es besser zu machen, ist die Aufgabe jeder und jedes Einzelnen.

Vielen Dank an den Verein “Gegen das Vergessen - für Demokratie”, der diese Veranstaltung organisiert hat. Und natürlich an Herrn Prof. Dr. Schiele, der einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen hat.

60 Jahre Menschenrechte

Mittwoch, Mai 20th, 2009

Zugegeben: Der Titel ist nicht ganz richtig. Menschenrechte gibt es schon sehr viel länger, bzw. hat es schon immer gegeben - sie wurden nur nicht  immer gleichermaßen beachtet.

Schon 1789 beschloss die französische Nationalversammlung die Deklaration der “Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte”.

Gemeint waren mit dem Text allerdings nur die Männer - auch wenn das heute unglaublich klingen mag. Als Reaktion darauf verfasste Olympe de Gouges (1748 - 1793) die “Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin”. Dafür landete sie auf dem Schafott.

Erst 1948, nach den schauerlichen Erlebnissen (more…)