Musik und Theater mit Kindern

Rückblick Musik+Theater-AG

"Unvergleichlich! Kulturelles Schulprojekt" an der Hans-Thoma-Schule

Bereits zum dritten Mal in Folge konnten wir – dank der Förderung des Kulturbüros Karlsruhe und des Round Table 46 – eine Theater-AG an der Hans-Thoma-Schule in Karlsruhe anbieten. Diesmal hatten wir das Konzept um den Bereich Musik erweitert.

Nur drei Kinder des Vorjahres waren wieder dabei, als wir uns zum ersten Mal trafen – und somit zehn neue Gesichter, die uns ebenso neugierig beäugten wie wir sie. Leider machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Kinder ab der vierten Klasse von den Eltern aus nicht mehr dabei sein dürfen, weil Theaterspiel nicht „ernsthaft“ genug ist und die Vorbereitungen auf den erhofften Gymnasium-Eintritt alle Zeit in Anspruch nimmt. Um so wichtiger für uns, den Kindern wenigstens in den Jahren davor etwas „Kreatives“ mit auf den Weg zu geben.

Die Kinder – mehrheitlich aus den 2. Klassen – waren von Anfang an hochmotiviert. Das Trommelspiel, mit dem wir die Lektionen begannen, fand großen Anklang und war ein gutes „Aufwärmen“ für das Thema Musik. Die Ideen sprudelten und schnell war das Theaterstück erfunden, das am Ende des Schuljahres aufgeführt werden sollte.

In den Proben zeigte sich dann schnell, wie hoch die Anforderung an die Kinder war, Theater und Musik zu kombinieren. Zwar stürzten sich die Kinder mit Feuereifer auf jedes neu mitgebrachte Instrument und spielten es mit Hingabe und Begeisterung. Wenn es aber darum ging, auf Einsätze warten zu können und die Spielenden auf der Bühne sinnvoll mit Musik zu begleiten, wurde es schwierig.

Also konzentrierten wir uns bei den Proben darauf, das Aufeinander-Achten zu lernen, warten zu können, den richtigen Moment für einen musikalischen Akzent zu erkennen. Gleichzeitig mussten die Spielenden lernen, sich mit der Musik zu bewegen, musikalische Akzente aufzugreifen und nur im Wechsel mit der Musik zu sprechen, damit sie überhaupt verstanden werden konnten.

Wie gut dies schließlich gelang, zeigte sich für uns vor allem in einem Phänomen: In der Schlussszene wurde eine Party gefeiert. Zu Beginn wollten alle Kinder Kunststücke vorführen und tanzen. Sie dachten sich eigene Choreografien aus und übten dafür. Die Begleitung mit den Musikinstrumenten war mehr ein notwendiges Übel und musste halt auch sein.

Nach und nach aber veränderte sich das, bis die ersten Kinder äußerten, sie wollten auf der Party lieber „nur“ Musik machen. Andere schlossen sich an – und zum Ende der Proben war aus der „Tanz-Party“ eine reine „Musik-Party“ geworden. Alle Gäste brachten Instrumente mit und dann wurde zusammen musiziert, bis alle über ihren Instrumenten einschliefen – ein wunderschöner, stimmiger Schluss, der für uns gleichzeitig ein Beweis dafür war, dass wir mit unserem Musik+Theater-Angebot das Gewünschte erreicht hatten.

Die Ideen der Kinder wurden im Verlauf der AG auch immer origineller. Das führte unter Anderem dazu, dass wir sehr ungewöhnliche Kostüme zu nähen hatten: Beispielsweise ein Känguru, ein Einhorn, ein Pegasus, eine Zauberblume oder vier Hasen, die noch dazu eine Modenschau aufführten... Zum Glück hatten wir noch viele schöne Stoffe im Fundus, die sich dafür eigneten.

Am 18. Juli um 14 Uhr fand die Aufführung des Stücks „Rettung³“ im JUBEZ statt – ganz alleine brachten die Kinder ihr Stück inklusive Umbau und Musikbegleitung auf die Bühne und es war für uns alle ein großartiges Erlebnis. Ein Kind brachte sogar seinen Kontrabass von Zuhause mit, um die Party am Ende begleiten zu können! Die meisten Kinder schminkten sich auch selber – nur ihren Eltern trauten manche nicht zu, rechtzeitig den Weg ins JUBEZ zu finden, so dass beruhigende Worte unsererseits nötig waren.

Die Aufführung lief dann so gut, dass sie sicher nicht nur uns, sondern auch allen Kindern in bester Erinnerung bleiben wird. Ganz alleine ein selbst erfundenes Stück ohne auswendig gelernte Texte und inklusive Umbau und Umziehen über die Bühne zu bringen, wäre auch für so manche Erwachsene eine größere Herausforderung!

Bleibt zu erwähnen, dass an der Hans-Thoma-Schule sehr deutlich die Anwendung von offenen Unterrichtsformen spürbar ist. Die Kinder sind deutlich selbstständiger als an Schulen ohne solche offenen Unterrichtsformen und bringen mehr Selbstbewusstsein bei der Lösungsfindung von Problemen und Konflikten mit. Sie wissen, dass es Sinn macht, eigene Ideen einzubringen und dass sie von den Erwachsenen gehört werden.

Nun freuen wir uns auf das neue Schuljahr mit neuen "Unvergleichlich! Kulturellen Schulprojekten".

Mehr über die "Unvergleichlich! Kulturellen Schulprojekte"

Zu unserem Buch über Theater mit Kindern

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